Grundschule Burgholzhausen / Friedrichsdorf

Medienprojekttage 2019

Grundschule Burgholzhausen sensibilisiert gemeinsam mit AOK Hessen und Jörg Astheimer für den Umgang mit Tablets, Spielkonsolen und Smartphones

Dieser Beitrag ist abgelaufen: 16. Juni 2019 00:00

In jungen Familien nehmen digitale Geräte immer mehr Raum ein, was auch den Alltag von Grundschüler*innen verändert. Tablets und Spielkonsolen haben Einzug in 9 von 10 Familien gehalten. Spätestens ab dem 5. Schuljahr besitzen die meisten Kinder sogar ein eigenes Smartphone. Um frühzeitig für die Risiken zu sensibilisieren, die mit Online-Spielen, Sozialen Netzwerken/Messengern und YouTube einhergehen, gab es in der Grundschule Burgholzhausen eine Reihe von Veranstaltungen, die mit Unterstützung von Dirk Hempelmann (Schulleitung), Bettina Reminder (Internet ABC) und Bert Jonas (Förderverein) auf die Beine gestellt wurden. An diesen nahmen alle Kinder der 3. und 4. Klassen sowie deren Eltern und Lehrer*innen teil. Die Veranstaltungen wurden als Maßnahmen im Rahmen der Gesundheitsprävention von Jörg Astheimer (6 Degrees*) durchgeführt und von der AOK Hessen finanziert, um Stress- und Sucht im Umgang mit Tablets, Spielkonsolen und Smartphones vorzubeugen.

 

Für die meisten Kinder beginnt der Umgang mit mobilen Geräten bereits in der Kita. Ihre ersten Erfahrungen mit Filmportalen wie YouTube machen viele bereits als Kleinkinder. In der Grundschule kommen eigene Spielkonsolen wie Nintendo Switch oder Playstation (PS4) dazu, die es auch erlauben online mit anderen zu spielen. Das eigene Smartphone wiederum bietet den Zugang zu Apps wie WhatsApp, Snapchat, Instagram und Tik Tok (früher: Musical.ly). Durch die Maßnahme von AOK und der Grundschule Burgholzhausen werden Kinder und Eltern daher zu einem Zeitpunkt angesprochen, an dem die Weichen für die Zukunft gestellt werden. Denn die Unterschiede in der Medienerziehung treten bereits in der Grundschule offen zu Tage: So gibt es einerseits Kinder, die im kontrollierten Rahmen in kleinen Gruppen gemeinsam zu Hause Spiele wie Minecraft – eine Art Lego im virtuellen Raum – spielen dürfen. Andererseits gibt es Kinder, die sich Online vernetzen und in die Spielewelt von Jugendlichen (Fortnite) oder sogar Erwachsenen (Grand Theft Auto 5) abtauchen. Oft verlieren Eltern dabei gleichzeitig auch die Kontrolle über Spielzeiten und über die Erfahrungen, die Kinder in Online-Spielen mit Fremden machen. 

 

Im Rahmen der Workshops bekamen die Kinder den Raum, um von ihren eigenen Erlebnissen im Umgang mit Spielen, Filmen und Netzwerken zu berichten. Sehr klar haben die Grundschüler*innen zum Ausdruck gebracht, welche Risiken sie selbst beispielsweise bei Online-Spielen erkennen. Spiele wie Fortnite, bei denen einzelne Spieler oder Teams online miteinander kämpfen, genießen einen hohen Stellenwert, um im Freundeskreis mitreden zu können. In der Kritik stehen sie bei den Kindern dennoch, da die Spiele Aggressivität fördern und ein hohes Suchtpotenzial haben.

 

Bei den meisten Schüler*innen ist bereits ein Bewusstsein für Computerspiel-Sucht vorhanden. Es fällt den Kindern auch leicht, zu erkennen, welche Maßnahmen helfen, Spielesucht zu verhindern. Wenn Kinder ihren Eltern einen Erziehungsrat geben dürften, dann wäre dieser sehr deutlich: Die Schüler*innen waren sich einig, dass eine Beschränkung der Medienzeit das wichtigste Mittel ist, um Sucht vorzubeugen. Auch dürften Kinder nicht ihren Alltag, ihre Hobbys und ihre Freundschaften vernachlässigen. Die meisten von ihnen wünschen sich ein gewisses Maß an Selbstverantwortung, halten aber elterliche Kontrolle und Unterstützung für notwendig. Eine Aufgabe, die für die Erziehungsberechtigten nicht immer einfach ist – wie alle Beteiligten am Info-Abend für Eltern erfuhren. Regeln helfen also, den Umgang mit digitalen Medien zu begrenzen. Meistens werden diese jedoch nur für Kinder aufgestellt. Den Eltern wurde verdeutlicht, dass eigentlich Medienregeln Priorität haben sollten, die für die ganze Familie gelten. Denn was Eltern selbst mit Smartphone und Tablet als Vorbilder vorleben, prägt die Nutzung der Kinder oft stärker als ein Set von Regeln und Verboten, die ausschließlich für Kinder gelten. 

 

Die betreffenden Lehrerinnen bekamen einen konkreten Überblick über die von ihren Schülerinnen und Schülern genutzten Medien und deren Inhalte. Sie wurden sensibilisiert, bei evtl. Verhaltensauffälligkeiten oder Lernproblemen, als mögliche Ursache die Mediennutzung der Kinder stärker zu beleuchten.

 

Als bereichernd empfand das Kollegium nicht nur den vor- und nachbereitenden Austausch mit Herrn Astheimer, sondern auch dessen freundliche, ruhige und nicht wertende Art, den Kindern gegenüberzutreten. Die Schule erhofft sich durch die Medientage einen nachhaltigen Erfolg bei der Aufklärung der Kinder und Erwachsenen und will sie fest im bestehenden Medienkonzept verankern.

| 17.5.2019